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Asmodeus
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Re: Seths Reich (auch seine Wohnung genannt)

von Asmodeus am 02.07.2026 10:32

Langsam wurden die Bäume von Straßenlaternen abgelöst. Das sanfte Rauschen der Blätter wich dem fernen Summen der Stadt. Velmont schlief nie ganz, irgendwo fuhr ein Auto vorbei, in einem geöffneten Fenster erklang gedämpfte Musik, und über den Dächern hing die kühle Nachtluft. Er ließ Seths widersprüchliche Worte noch einmal durch seinen Kopf gehen. „Weißt du…“ begann er und seine Stimme war ruhig. „Sollte sich jemals herumsprechen, dass Menschen sich in meiner Gegenwart sicher fühlen, werde ich vermutlich aus sämtlichen dämonischen Kreisen ausgeschlossen.“ Ein leises Schmunzeln legte sich auf seine Lippen. „Mein Ruf würde sich nie wieder davon erholen.“ Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke. „Danke.“ Sie gingen weiter, bis Seth schließlich gähnte und ein belustigtes Funkeln erschien in seinen goldenen Augen. „Die Müdigkeit gewinnt also doch.“ Er hob leicht eine Augenbraue. „Und eben wolltest du mir noch erzählen, dass du morgen problemlos eine Vorlesung schaffen könntest.“ Ein Lachen folgte. „Ich beginne ernsthaft zu glauben, dass Psychologiestudenten eine sehr optimistische Selbsteinschätzung besitzen.“ Während Seth den Weg erklärte, ließ Asmodeus den Blick aufmerksam über die Umgebung schweifen. „Eine bepflanzte Dachterrasse also.“ murmelte er. „Das passt erstaunlich gut zu dir.“ Einige Minuten später blieben sie schließlich vor einem gepflegten Mehrfamilienhaus stehen. Über ihnen zeichnete sich tatsächlich eine Dachterrasse gegen den Nachthimmel ab, auf der sich Pflanzen und Rankgewächse im Mondlicht sanft bewegten. Asmodeus betrachtete das Gebäude einen Augenblick schweigend, dann wanderte sein Blick zu Seth. „Also… hier endet unser nächtlicher Spaziergang.“ Er steckte die Hände wieder in die Manteltaschen und ließ den Blick noch einmal kurz über die Fassade gleiten. „Du solltest schlafen. Auch wenn du vermutlich gleich behaupten wirst, dass vier Stunden Schlaf völlig ausreichen.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Tun sie nicht.“ Dann trafen seine goldenen Augen erneut die blauen des Psychologiestudenten. „Ich werde morgen nicht verschwunden sein. Du musst also nicht befürchten, aufzuwachen und festzustellen, dass alles nur ein ungewöhnlich lebhafter Traum war. Ich habe dir schließlich versprochen, meine Weiterreise noch etwas aufzuschieben.“ Asmodeus sah noch einmal zur bepflanzten Dachterrasse hinauf. „Ich bin gespannt, ob sie bei Tageslicht genauso aussieht, wie ich sie mir gerade vorstelle.“ Sein Blick kehrte zu Seth zurück. „Schlaf gut, Seth.“ Das Lächeln auf seinen Lippen wurde eine Spur wärmer. „Und versuche ausnahmsweise einmal, nicht bis drei Uhr morgens über das nächste große Rätsel nachzudenken.“ Er machte einen halben Schritt rückwärts, ohne den Blick von ihm zu nehmen. „Wir sehen uns morgen.“

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 01.07.2026 19:00

Der Wald schien um sie herum still geworden zu sein als gäbe es für einen Moment nichts außer diesem Gespräch. Er ließ Seth ausreden und als dieser geendet hatte, erschien kein gewohntes, charmantes Grinsen auf seinen Lippen, nur ein leicht sichtbares Lächeln. „Du bist nicht gut darin Menschen auf Abstand zu halten.“ Weder Spott war in den Worten, noch wollte er ihn necken. „Vielleicht solltest du daran arbeiten.“ Es entstand eine Sekundenpause. „Oder auch nicht.“ Sein Blick ruhte noch immer auf Seth. „Die Welt könnte ein paar Menschen gebrauchen, die sich trauen, so offen zu sein.“ Als Seth davon sprach, ihn zum Bleiben bewegen zu wollen, entkam Asmodeus ein kaum hörbares Schnauben. Er schüttelte langsam den Kopf. „Du unterschätzt deine Wirkung.“ murmelte er. „Du glaubst, du müsstest mich überzeugen.“ Ein sanftes Lächeln zog über seine Lippen. „Dabei habe ich meine Weiterreise in dem Moment infrage gestellt, als ich beschlossen habe, nach Mitternacht noch mit dir durch diesen Wald zu laufen.“ Er hob den Blick zum Himmel. Zwischen den Baumwipfeln begann die Nacht bereits langsam heller zu werden. „Es wird spät.“ stellte er fest. Dann wanderte sein Blick wieder zu Seth. Er musterte ihn einen Moment. Die Müdigkeit, die sich langsam trotz des Lächelns in dessen Gesicht zeigte. „Und so sehr es mein Ego schmeichelt, dass du morgen Erinnerungen sammeln möchtest…“ Er hob leicht eine Augenbraue. „würde ich nur ungern der Grund dafür sein, dass ein Psychologiestudent morgen mit geschlossenen Augen in einer Vorlesung sitzt.“ Ein amüsiertes Funkeln kehrte in seine goldenen Augen zurück. „Das würde deiner professionellen Reputation schaden.“ Er trat einen Schritt zur Seite und deutete in Richtung der Lichter Velmonts. „Komm. Ich bringe dich nach Hause. Du hast heute lange gearbeitet und ich habe dich lange genug vom Schlafen abgehalten.“ Dann schmunzelte er. „Außerdem… wenn ich tatsächlich vorhabe, meine Weiterreise aufzuschieben, wäre es ausgesprochen unklug, dich schon am ersten Abend völlig übermüdet zurückzulassen.“

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 28.06.2026 20:54

„Weißt du…“ Er verschränkte locker die Arme. „Ich beginne langsam zu glauben, dass du mich gar nicht alt nennst, weil du davon überzeugt bist.“ Er hob eine Augenbraue. „Sondern weil du genau weißt, dass ich darauf reagiere.“ Ein schmales Grinsen erschien. „Manipulativ.“ Er nickte anerkennend. Als Seth jedoch über die Unendlichkeit sprach und schließlich seine Hand ergriff, verstummte Asmodeus. Sein Blick senkte sich für einen Augenblick auf die Berührung. Sie war so selbstverständlich. Ohne Hintergedanken. Ohne Angst. Dann hob er langsam wieder den Kopf. Die Worte über den Schmerz blieben zwischen ihnen stehen. Er hätte widersprechen können. Hätte die Schwere mit einem Scherz vertreiben können. „Warmherzig…“ wiederholte er leise. „Diesen Begriff hätte vermutlich niemand benutzt, der mich vor einigen Jahrhunderten gekannt hat.“ Ein schwaches Lächeln erschien. „Vielleicht verändert Zeit einen eben doch.“ Dann fiel die letzte Frage. Er schüttelte leicht den Kopf. „Nein.“ sagte er schließlich. „Eigentlich nicht.“ Er ließ den Blick kurz über den Wald schweifen. „Ich hatte vor, weiterzureisen. Velmont war ursprünglich nur ein Zwischenstopp.“ Die Worte klangen beinahe beiläufig. Doch dann trafen seine goldenen Augen erneut Seths. Und zum ersten Mal an diesem Abend war dort ein Hauch von Unsicherheit. Nicht darüber, was er wollte. Sondern darüber, dass er es überhaupt wollte. „Ich nehme an…“ begann er langsam. „…du fragst das nicht aus reiner Höflichkeit.“ Seine Mundwinkel hoben sich leicht. „Also verrate mir.“ Er trat einen halben Schritt näher. Gerade weit genug, dass seine Stimme kaum mehr als ein ruhiges Murmeln war. „Was geht in diesem erstaunlich neugierigen Kopf gerade vor?“

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 20.06.2026 11:04

Asmodeus lauschte seinem offensichtlich sorgfältig ausgearbeiteten Vortrag über sein Alter mit der Geduld eines Mannes, der bereits Kriege, Dynastien und vermutlich mehrere völlig unnötige Modetrends überlebt hatte. Als Seth schließlich geendet hatte, blieb er einige Sekunden vollkommen still. Dann nickte er langsam. „Beeindruckend.“ Seine Stimme war ernst. „Du hast es tatsächlich geschafft, aus dem Wort alt eine ganze Rede zu machen.“ Anschließend nickte er leicht. „Das ist echtes Talent.“ Das Funkeln in seinen Augen verriet jedoch deutlich, dass er sich prächtig amüsierte. „Und dennoch bin ich gezwungen festzustellen, dass dein gesamtes Argument auf der Annahme basiert, dass du recht hast.“ Er hob eine Augenbraue. „Ein klassischer Anfängerfehler. Aber ich bin bereit, dir diesen Sieg zu gönnen.“ Eine kurze Pause. „Aus Respekt vor deinem jugendlichen Enthusiasmus.“ Dann schnaubte er leise und schüttelte den Kopf. Seth schien stattdessen jedes Mal noch mehr Spaß daran zu haben und Asmodeus stellte zu seinem eigenen Erstaunen fest, dass er ihn dafür mochte. Sehr sogar. Als das Gespräch jedoch wieder ernster wurde, verschwand die Belustigung langsam. Sein Blick ruhte aufmerksam auf Seth. Auf der Art, wie dieser über Bedeutung sprach. Über Endlichkeit. Über Zeit. Und für einen Moment wirkte Asmodeus beinahe überrascht. „Du weißt…“ begann er schließlich leise. „Die meisten Menschen romantisieren Unsterblichkeit.“ Sein Blick wanderte zu den Lichtern Velmonts in der Ferne. „Sie stellen sich vor, sie hätten unbegrenzt Zeit für alles, was sie lieben.“ Ein schwaches Lächeln erschien. „Die wenigsten denken darüber nach, wie es sich anfühlt, alles zu verlieren.“ Dann hörte er Seths Vorschlag und zum ersten Mal an diesem Abend lachte er nicht. Stattdessen blickte er ihn einfach an. „Aufschreiben?“ wiederholte er schließlich. Als hätte ihm seit Jahrhunderten niemand mehr eine derart einfache Lösung angeboten. Sein Blick glitt kurz in die Dunkelheit zwischen den Bäumen. „Weißt du, was das Verrückte daran ist?“ Ein kleines Schmunzeln erschien. „Ich habe Bibliotheken gesehen, die größer waren als ganze Städte. Ich habe Gelehrte gekannt, die ihr Leben dem Schreiben gewidmet haben. Und ich selbst habe vermutlich mehr Geschichten erlebt, als manche Völker besitzen.“ Die goldenen Augen wanderten zurück zu Seth. „Und trotzdem ist mir dieser Gedanke nie gekommen.“ Ein leises Schnauben mehr über sich selbst als über die Idee. „Vielleicht, weil ein Teil von mir immer dachte, Erinnerungen müssten im Kopf bleiben, um echt zu sein.“ Dann erschien wieder dieses ruhige, warme Lächeln. Das, welches Seth inzwischen ein paar Mal gesehen hatte. Und das deutlich seltener war als jedes seiner charmanten Grinsen. „Das ist eine erstaunlich schöne Idee.“ Die Worte kamen unerwartet ehrlich. „Danke.“ Dann neigte Asmodeus leicht den Kopf. Seine Augen funkelten erneut. „Allerdings birgt dein Vorschlag ein gewaltiges Risiko.“ Eine gespielte Ernsthaftigkeit legte sich über seine Züge. „Wenn ich tatsächlich beginne, alles aufzuschreiben, wird daraus zwangsläufig eine Kapitelüberschrift über einen außergewöhnlich hartnäckigen Psychologiestudenten, der mich beharrlich alt nennt.“ Ein schmales Grinsen erschien. „Und ich fürchte, das würde dein Ziel, nicht vergessen zu werden, erschreckend effizient erfüllen.“

Antworten Zuletzt bearbeitet am 20.06.2026 11:04.

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 15.06.2026 10:16

Als Seth ihn auf die Ironie aufmerksam machte, blickte Asmodeus einen langen Moment einfach nur auf die Hand an seinem Unterarm und hob dann langsam den Blick. „Das…“ begann er mit vollkommener Ernsthaftigkeit. „… ist ein ausgezeichnetes Argument.“ Dann machte er eine kurze Pause. „Das ich selbstverständlich ignorieren werde.“ Das Grinsen, das daraufhin erschien, war beinahe unverschämt. „Ich habe schließlich mehrere Jahrtausende Übung darin, recht zu behalten.“ Er hob eine Augenbraue. „Oder zumindest so zu tun.“ Dann schüttelte er leicht den Kopf und lauschte weiter. Die Scherze über Diagnosen und Höllenfürsten ließen ihn schmunzeln, doch als Seth schließlich begann, ernsthaft zu antworten, verschwand die Belustigung langsam. Asmodeus hörte zu ohne ihn zu unterbrechen. „Das ergibt mehr Sinn, als du glaubst. Die Menschen nennen es oft Angst vor engen Räumen.“ Sein Blick ruhte auf Seth. „Aber ich glaube nicht, dass es darum geht.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Ich glaube, du fürchtest dich davor, keine Wahl mehr zu haben.“ Die goldenen Augen hielten den Blickkontakt. „Davor, festzustecken. Davor, dass jemand anderes entscheidet, wo du hingehörst.“ Dann kam die Gegenfrage und zum ersten Mal an diesem Abend wich Asmodeus’ Blick aus. „Früher hätte ich behauptet, ich fürchte nichts.“ Er schnaubte leise. „Das klingt beeindruckend, bis man erkennt, dass es meistens nur eine andere Form von Dummheit ist.“ seine Hände blieben tief in den Manteltaschen verborgen und für einen Moment wirkte er älter. „Ich glaube…“ begann er langsam. „… ich fürchte Bedeutungslosigkeit.“ Sagte er leise als wäre er es nicht gewohnt, sie auszusprechen. „Nicht für andere.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Die Meinung der Welt hat mich nie besonders interessiert.“ Sein Blick wanderte wieder zu Seth. „Sondern für mich selbst. Wenn man lange genug lebt, verschwimmen Dinge. Menschen sterben. Städte verschwinden. Königreiche zerfallen und irgendwann beginnt man sich zu fragen, ob irgendetwas davon tatsächlich einen Unterschied gemacht hat.“ Er lächelte schwach. „Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich Geschichten sammle weil ich Angst habe, dass irgendwann nichts mehr bleibt.“ Dann schnaubte er leise über sich selbst als wäre ihm gerade bewusst geworden, wie ungewöhnlich ehrlich er gewesen war. „Siehst du?“ Sein Blick wurde wieder etwas wärmer. „Das passiert, wenn man Psychologiestudenten nachts in den Wald mitnimmt.“ Er grinste leicht. „Plötzlich fängt man an, Fragen ernsthaft zu beantworten.“

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 14.06.2026 21:11

Asmodeus starrte ihn einen Moment lang völlig reglos an, als würde er ernsthaft darüber nachdenken, ob er ihn jetzt im Wald zurücklassen sollte. „Weißt du…“ begann er schließlich langsam. „Es gibt deutlich sicherere Arten, mit einem uralten Wesen zu sprechen, als es wiederholt alt zu nennen.“ Er neigte seinen Kopf leicht. „Ich bewundere deine Konsequenz.“ Dann schnaubte er belustigt und die Fassade brach augenblicklich wieder zusammen. „Oder deinen fehlenden Selbsterhaltungstrieb.“ Das Grinsen auf seinen Lippen verriet deutlich, dass ihm beides gefiel. Seths Ehrlichkeit traf ihn jedes Mal völlig unvorbereitet. „Das beruht auf Gegenseitigkeit.“ Bei der Bemerkung über den Gotteskomplex hob Asmodeus allerdings sofort eine Augenbraue. „Womöglich?“ Er legte sich eine Hand auf die Brust. „Diese Diagnose wirkt erschreckend unentschlossen für einen angehenden Psychologen.“ Er sah ihn empört an. „Ich hätte mehr Professionalität erwartet.“ Die goldenen Augen funkelten. „Außerdem wäre ein echter Gotteskomplex unter meiner Würde.“ Einer seiner Mundwinkel hob sixh. „Ich habe schließlich deutlich höhere Ansprüche.“ Diesmal musste er selbst über seinen eigenen Unsinn lachen. Dann wandte er den Blick wieder Seth zu. „Ganz allgemein.“ antwortete er schließlich. „Jeder Mensch hat etwas.“ Er verschränkte die Arme locker vor der Brust. „Manche haben Angst vor dem Scheitern. Andere davor, allein zu sein. Vor Bedeutungslosigkeit. Verlust. Kontrollverlust.“ Sein Blick blieb auf Seth ruhen. „Und bevor du mir erzählst, dass du vor nichts Angst hast…“ Er schmunzelte leicht. „… das glaubt dir nicht einmal dein innerer Psychologe.“ Dann trat Asmodeus einen Schritt näher an den Hügelrand und blickte hinunter auf die Stadt. „Mich interessiert die Antwort nicht, weil ich sie gegen dich verwenden könnte.“ murmelte er. „Oder weil ich glaube, dich damit besser analysieren zu können.“ Die goldenen Augen glitten wieder zu Seth. „Mich interessiert sie, weil Angst oft mehr über einen Menschen verrät als seine Wünsche.“ er machte eine kleine Pause. „Wünsche zeigen uns, wohin jemand möchte. Angst zeigt uns, wovor er davonläuft.“ Dann lehnte er sich leicht gegen den Stamm des Baumes hinter sich. „Also?“ Ein schwaches Lächeln erschien.
„Wovor läuft Seth davon?“

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 11.06.2026 20:55

Er warf Seth einen Blick zu, der irgendwo zwischen Belustigung und gespielter Empörung lag. „Alter Mann.“ wiederholte er. „Weißt du, die meisten Menschen haben zumindest den Anstand, ein paar Wochen zu warten, bevor sie anfangen, mich zu beleidigen.“ Er schnaubte leise. „Du hast dafür nicht einmal einen ganzen Abend gebraucht.“ Doch das verräterische Lächeln auf seinen Lippen zerstörte jede Ernsthaftigkeit. Der Waldweg führte sie tiefer zwischen die Bäume. Die Geräusche der Stadt waren inzwischen vollständig verschwunden. Nur der Wind bewegte gelegentlich die Äste über ihnen. Als Seth nach seiner Entschuldigung fragte, hob Asmodeus kurz den Blick zum Himmel. „Meine Entschuldigung?“ Er dachte einen Moment darüber nach, doch dann schüttelte er leicht den Kopf. „Ich habe keine. Ich wollte mit dir reden.“ Er zuckte mit den Schultern. „Also bin ich geblieben.“ Die meisten Menschen suchten nach Gründen, nach komplizierten Erklärungen dabei war die Wahrheit erschreckend simpel. Sein Blick wanderte wieder zu Seth. „Außerdem scheinst du vergessen zu haben, dass du die gefährliche Person in dieser Situation bist.“ Die goldenen Augen funkelten. „Ich bin allein mit einem Psychologiestudenten im Wald. Weißt du eigentlich, wie viele Fragen ihr stellt?“ Dann lachte er erneut ein wenig länger als sonst. Als Seth anschließend von Ehrlichkeit sprach, hörte er schweigend zu, denn obwohl er selbst gern redete, lauschte er noch lieber. Menschen verrieten sich in ihren Antworten und Seth verriet sich ständig, natürlich nicht absichtlich, sondern einfach weil er so war. „Du weißt…“ begann Asmodeus schließlich langsam. „Normalerweise würde ich dir jetzt erklären, warum diese Einstellung gefährlich ist.“ Er hob eine Augenbraue. „Warum Ehrlichkeit ausgenutzt wird. Warum Menschen lügen. Warum Vertrauen Risiken birgt.“ Er schmunzelte schwach. „Aber ich fürchte, du würdest mir ohnehin nicht zuhören und ehrlich gesagt hoffe ich, dass du es nicht tust.“ Sein Blick blieb kurz auf Seths Gesicht liegen. „Die Welt produziert bereits genug Zyniker.“ murmelte er. „Noch einer wäre wirklich Verschwendung.“ Ein paar Schritte später blieb er plötzlich stehen als er Seths Bemerkung über den Bourbon hörte und lachte erneut. „Nein.“ Er schüttelte langsam den Kopf. „Das wäre die völlig falsche Lektion.“ Die goldenen Augen wanderten zu ihm. „Es war nicht der Bourbon. Es war der Gedanke dahinter.“ Das Lächeln auf seinen Lippen wurde sanfter. „Die meisten Menschen geben dir etwas, weil sie etwas zurückhaben wollen.“ Er lehnte sich leicht gegen einen Baum. „Du hast es getan, weil du wolltest, dass ich mich freue. Das bleibt länger in Erinnerung als jeder Drink.“ Für einen Moment ließ er den Blick über die Lichter der Stadt schweifen. „Wovor hast du eigentlich Angst?“

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 09.06.2026 18:14

Ein leises Lachen verließ seine Kehle. „Jetzt verstehe ich langsam, warum die Leute in der Bar dich mögen.“ Die goldenen Augen wanderten kurz zu Seth. „Du sagst Dinge, die andere Menschen normalerweise nur denken. Und manchmal nicht einmal das.“ Das Mondlicht fing sich für einen Moment in seinen Zügen, als er den Kopf leicht zur Seite neigte. „Außerdem möchte ich festhalten, dass ich niemals behauptet habe, vernünftig zu sein.“ Die Mundwinkel hoben sich leicht. „Nur alt.“ Als Seth ihn erneut mit der Schulter anstieß, erwiderte Asmodeus die Geste dieses Mal tatsächlich. „Und nein, du bist nicht ungewöhnlich, weil du anders bist als alle anderen.“ Er sah kurz vor sich auf den Waldweg. „Du bist ungewöhnlich, weil du keine Angst davor hast, ehrlich zu sein.“ Er schmunzelte leicht. „Das wird ständig miteinander verwechselt.“ Die meisten Menschen versteckten sich hinter Sarkasmus, hinter Status, hinter Rollen, hinter Masken und Seth schien zwar ebenfalls welche zu besitzen, doch er nahm sie erstaunlich bereitwillig wieder ab und das war selten. Als dann die Bemerkung über gemeinsame Abenteuer fiel, blieb Asmodeus für einen Moment still. Sein Blick wanderte zwischen die dunklen Bäume. „Gemeinsame Abenteuer.“ wiederholte er leise. Dann erschien ein Lächeln auf seinen Lippen. „Das klingt verdächtig nach einem Plan.“ Er blickte zu Seth. „Und du kennst mich noch nicht gut genug, um zu wissen, wie selten es eine gute Idee ist, mit mir Pläne zu schmieden.“ Ein kleiner Teil von ihm schien die Vorstellung tatsächlich zu mögen, was vermutlich das Gefährlichste daran war. Dann kam Seths letzte Bemerkung und plötzlich wurde es still. Kein Scherz, kein neckischer Kommentar, keine Ausweichbewegung, nur zwei Menschen, oder zumindest einer davon, auf einem dunklen Pfad. Asmodeus blieb stehen und langsam drehte er den Kopf, die goldenen Augen trafen die blauen und für einen Moment lag etwas darin, das Seth bisher noch nicht gesehen hatte. Ehrlichkeit. „Seth.“ Seine Stimme war leiser geworden. „Du hast wirklich keine Ahnung, wie selten Menschen wie du sind, oder?“ Ein schwaches Lächeln erschien, kein charmantes oder gefährliches, sondern ein wirklich echtes. „Ich habe heute Abend nicht gewartet, weil ich höflich sein wollte und ich habe diesen Spaziergang nicht vorgeschlagen, weil mir langweilig war.“ Der Blick hielt den seinen fest. „Du wirst nicht vergessen werden. Nicht von mir.“ Dann schnaubte Asmodeus plötzlich belustigt, als hätte er genug von diesem gefährlich aufrichtigen Moment. „Außerdem…“ Seine Mundwinkel hoben sich erneut. „… hast du mir einen Bourbon aufs Haus gegeben.“ Er setzte sich wieder in Bewegung. „Damit war mein Gedächtnis von Anfang an an dich verloren.“

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 09.06.2026 15:48

„Du hast eine bemerkenswert hohe Meinung von mir, wenn du davon ausgehst, dass die Menschen, mit denen ich gewöhnlich verkehre, lediglich Idioten sind.“ Ein leises Schnauben verließ ihn. „Manche von ihnen waren Könige.“ Er runzelte kurz die Stirn. „Was deine Aussage vermutlich nicht unbedingt widerlegt.“ Die goldenen Augen funkelten amüsiert und für einen Moment ließ er den Blick ebenfalls nach oben wandern. Es war seltsam friedlich und Frieden war etwas, dem Asmodeus normalerweise misstraute. Als Seth anschließend sagte, dass er mochte, wer er war, verlangsamten sich seine Schritte. Nicht viele Menschen sagten so etwas. Noch weniger meinten es ernst. Die meisten wollten stärker werden, reicher, erfolgreicher, schöner, anders. Es ist meistens immer anders, doch Seth hatte gerade etwas ausgesprochen, das überraschend selten war. ‘Ich mag wer ich bin.‘ „Das ist vermutlich die ungewöhnlichste Sache, die du heute Abend gesagt hast und dabei hast du mich zuvor beinahe ernsthaft gefragt, ob ich der Herr der Hölle bin.“ Er lachte leise. „Die meisten Menschen verbringen ihr Leben damit, vor sich selbst davonzulaufen.“ Sein Blick glitt kurz zu Seth. „Es ist angenehm, jemandem zu begegnen, der das nicht tut.“ Asmodeus hob eine Augenbraue. „Du unterschätzt Haie.“ Sagte er vollkommen ernst. „Sie sind außerordentlich urteilende Wesen.“ Er nickte, als würde er über wissenschaftlich belegte Fakten sprechen. „Der Hai würde dich ansehen, hören wie du versuchst, mit ihm Freundschaft zu schließen, und anschließend beschließen, dass du anstrengend bist.“ Er hob eine Hand. „Nicht gefährlich oder unhöflich, lediglich anstrengend.“ Seine Mundwinkel zuckten verdächtig. „Eine vernichtende Kritik, wenn du mich fragst.“ Dann schüttelte er langsam den Kopf. Das Lachen lag noch immer in seiner Stimme. Doch sein Blick wurde wieder etwas ruhiger. „Ich bin froh, dass du das Versprechen gegeben hast.“ murmelte er schließlich. „Die meisten Versprechen drehen sich darum, vorsichtig zu sein.“ Seine Augen wanderten kurz durch die Dunkelheit des Waldes. „Dieses hier dreht sich darum, es nicht zu sein.“ Ein Ast knackte unter seinem Schuh. Dann warf Asmodeus ihm erneut einen Seitenblick zu. „Weißt du, Seth…“ Seine Stimme war ungewohnt sanft. „Du redest davon, Spuren zu hinterlassen und ich glaube, du machst das bereits.“ er machte eine kurze Pause. „Vermutlich merkst du es nur nicht.“ Sein Blick glitt zurück auf den Waldweg. „Die meisten Menschen erinnern sich an diejenigen, die ihr Leben verändert haben. Manchmal reicht es aber schon, wenn jemand einen einzigen Abend besser macht.“ Und erstaunlicherweise wirkte es fast so, als würde er dabei nicht über irgendeinen abstrakten Gedanken sprechen. Sondern über diesen Abend.

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 09.06.2026 13:19

Das Mondlicht fing sich in seinen goldenen Augen und dann erschien tatsächlich wieder dieses Lachen. „Dann habe ich wohl Glück.“ Seine Stimme war ungewöhnlich sanft. „Die meisten Menschen bevorzugen mein Schweigen.“ Ein kleines Lächeln blieb länger als sonst. Als Seth anschließend über Tiere, Freiheit und Liebe sprach, hörte Asmodeus schweigend zu. Je länger der Psychologiestudent sprach, desto stiller wurde er. Denn wieder tat Seth etwas, das er bereits den ganzen Abend getan hatte. Er beantwortete Fragen, die viel größer waren als sie zunächst wirkten und bemerkte es vermutlich nicht einmal. Als schließlich die Worte vom Reisen kamen, blieb Asmodeus erneut einen Moment stumm. Der Wind bewegte die Äste über ihnen, irgendwo raschelte etwas im Unterholz und für einen Augenblick wirkte der Wald beinahe zeitlos. „Siehst du?“ sagte er schließlich leise. „Das meine ich.“ Sein Blick ruhte auf Seth. „Ich frage dich, was du tun würdest, wenn niemand mehr etwas von dir erwartet und keine einzige Antwort handelt von Geld. Du willst die Welt sehen.“ Die goldenen Augen musterten ihn aufmerksam. „Du willst verstehen.“ Er lachte leise. „Es überrascht mich nicht einmal.“ Dann schob er die Hände tiefer in die Manteltaschen. „Weißt du, was mir daran gefällt?“ fragte er. „Du sprichst nicht davon, jemand zu werden.“ Sein Blick glitt kurz zum Sternenhimmel, der zwischen den Baumkronen hervorlugte. „Du sprichst davon zu erleben. Das tun erstaunlich wenige Menschen.“ Für einige Schritte liefen sie schweigend weiter, dann erschien wieder dieses verräterische Funkeln in seinen Augen. „Und ich muss gestehen…“ Seine Mundwinkel hoben sich leicht. „Die Vorstellung von dir auf einem Surfbrett ist ausgesprochen unterhaltsam.“ Er sah zu ihm. „Du wirkst wie jemand, der nach drei Minuten von einem Hai beleidigt wird. Aber ich glaube, du solltest das tatsächlich tun. Nicht irgendwann.“ Der Blick seiner goldenen Augen traf den seinen. „Nicht wenn alles perfekt passt.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Menschen warten ihr ganzes Leben auf den richtigen Moment.“ Etwas Dunkles und Altes lag für einen Moment in seinem Blick, die Perspektive von jemandem, der viel zu viele Leben hatte vergehen sehen. „Und dann stellen sie fest, dass er nie gekommen ist.“ Dann lächelte er wieder. „Versprich mir etwas, Seth. Wenn du eines Tages am Meer stehst, irgendwo am anderen Ende der Welt, und die Gelegenheit bekommst, etwas Verrücktes zu tun…“ Seine Augen funkelten. „… dann entscheide dich für das Verrückte.“

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