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Asmodeus
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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 09.06.2026 18:14

Ein leises Lachen verließ seine Kehle. „Jetzt verstehe ich langsam, warum die Leute in der Bar dich mögen.“ Die goldenen Augen wanderten kurz zu Seth. „Du sagst Dinge, die andere Menschen normalerweise nur denken. Und manchmal nicht einmal das.“ Das Mondlicht fing sich für einen Moment in seinen Zügen, als er den Kopf leicht zur Seite neigte. „Außerdem möchte ich festhalten, dass ich niemals behauptet habe, vernünftig zu sein.“ Die Mundwinkel hoben sich leicht. „Nur alt.“ Als Seth ihn erneut mit der Schulter anstieß, erwiderte Asmodeus die Geste dieses Mal tatsächlich. „Und nein, du bist nicht ungewöhnlich, weil du anders bist als alle anderen.“ Er sah kurz vor sich auf den Waldweg. „Du bist ungewöhnlich, weil du keine Angst davor hast, ehrlich zu sein.“ Er schmunzelte leicht. „Das wird ständig miteinander verwechselt.“ Die meisten Menschen versteckten sich hinter Sarkasmus, hinter Status, hinter Rollen, hinter Masken und Seth schien zwar ebenfalls welche zu besitzen, doch er nahm sie erstaunlich bereitwillig wieder ab und das war selten. Als dann die Bemerkung über gemeinsame Abenteuer fiel, blieb Asmodeus für einen Moment still. Sein Blick wanderte zwischen die dunklen Bäume. „Gemeinsame Abenteuer.“ wiederholte er leise. Dann erschien ein Lächeln auf seinen Lippen. „Das klingt verdächtig nach einem Plan.“ Er blickte zu Seth. „Und du kennst mich noch nicht gut genug, um zu wissen, wie selten es eine gute Idee ist, mit mir Pläne zu schmieden.“ Ein kleiner Teil von ihm schien die Vorstellung tatsächlich zu mögen, was vermutlich das Gefährlichste daran war. Dann kam Seths letzte Bemerkung und plötzlich wurde es still. Kein Scherz, kein neckischer Kommentar, keine Ausweichbewegung, nur zwei Menschen, oder zumindest einer davon, auf einem dunklen Pfad. Asmodeus blieb stehen und langsam drehte er den Kopf, die goldenen Augen trafen die blauen und für einen Moment lag etwas darin, das Seth bisher noch nicht gesehen hatte. Ehrlichkeit. „Seth.“ Seine Stimme war leiser geworden. „Du hast wirklich keine Ahnung, wie selten Menschen wie du sind, oder?“ Ein schwaches Lächeln erschien, kein charmantes oder gefährliches, sondern ein wirklich echtes. „Ich habe heute Abend nicht gewartet, weil ich höflich sein wollte und ich habe diesen Spaziergang nicht vorgeschlagen, weil mir langweilig war.“ Der Blick hielt den seinen fest. „Du wirst nicht vergessen werden. Nicht von mir.“ Dann schnaubte Asmodeus plötzlich belustigt, als hätte er genug von diesem gefährlich aufrichtigen Moment. „Außerdem…“ Seine Mundwinkel hoben sich erneut. „… hast du mir einen Bourbon aufs Haus gegeben.“ Er setzte sich wieder in Bewegung. „Damit war mein Gedächtnis von Anfang an an dich verloren.“

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 09.06.2026 15:48

„Du hast eine bemerkenswert hohe Meinung von mir, wenn du davon ausgehst, dass die Menschen, mit denen ich gewöhnlich verkehre, lediglich Idioten sind.“ Ein leises Schnauben verließ ihn. „Manche von ihnen waren Könige.“ Er runzelte kurz die Stirn. „Was deine Aussage vermutlich nicht unbedingt widerlegt.“ Die goldenen Augen funkelten amüsiert und für einen Moment ließ er den Blick ebenfalls nach oben wandern. Es war seltsam friedlich und Frieden war etwas, dem Asmodeus normalerweise misstraute. Als Seth anschließend sagte, dass er mochte, wer er war, verlangsamten sich seine Schritte. Nicht viele Menschen sagten so etwas. Noch weniger meinten es ernst. Die meisten wollten stärker werden, reicher, erfolgreicher, schöner, anders. Es ist meistens immer anders, doch Seth hatte gerade etwas ausgesprochen, das überraschend selten war. ‘Ich mag wer ich bin.‘ „Das ist vermutlich die ungewöhnlichste Sache, die du heute Abend gesagt hast und dabei hast du mich zuvor beinahe ernsthaft gefragt, ob ich der Herr der Hölle bin.“ Er lachte leise. „Die meisten Menschen verbringen ihr Leben damit, vor sich selbst davonzulaufen.“ Sein Blick glitt kurz zu Seth. „Es ist angenehm, jemandem zu begegnen, der das nicht tut.“ Asmodeus hob eine Augenbraue. „Du unterschätzt Haie.“ Sagte er vollkommen ernst. „Sie sind außerordentlich urteilende Wesen.“ Er nickte, als würde er über wissenschaftlich belegte Fakten sprechen. „Der Hai würde dich ansehen, hören wie du versuchst, mit ihm Freundschaft zu schließen, und anschließend beschließen, dass du anstrengend bist.“ Er hob eine Hand. „Nicht gefährlich oder unhöflich, lediglich anstrengend.“ Seine Mundwinkel zuckten verdächtig. „Eine vernichtende Kritik, wenn du mich fragst.“ Dann schüttelte er langsam den Kopf. Das Lachen lag noch immer in seiner Stimme. Doch sein Blick wurde wieder etwas ruhiger. „Ich bin froh, dass du das Versprechen gegeben hast.“ murmelte er schließlich. „Die meisten Versprechen drehen sich darum, vorsichtig zu sein.“ Seine Augen wanderten kurz durch die Dunkelheit des Waldes. „Dieses hier dreht sich darum, es nicht zu sein.“ Ein Ast knackte unter seinem Schuh. Dann warf Asmodeus ihm erneut einen Seitenblick zu. „Weißt du, Seth…“ Seine Stimme war ungewohnt sanft. „Du redest davon, Spuren zu hinterlassen und ich glaube, du machst das bereits.“ er machte eine kurze Pause. „Vermutlich merkst du es nur nicht.“ Sein Blick glitt zurück auf den Waldweg. „Die meisten Menschen erinnern sich an diejenigen, die ihr Leben verändert haben. Manchmal reicht es aber schon, wenn jemand einen einzigen Abend besser macht.“ Und erstaunlicherweise wirkte es fast so, als würde er dabei nicht über irgendeinen abstrakten Gedanken sprechen. Sondern über diesen Abend.

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 09.06.2026 13:19

Das Mondlicht fing sich in seinen goldenen Augen und dann erschien tatsächlich wieder dieses Lachen. „Dann habe ich wohl Glück.“ Seine Stimme war ungewöhnlich sanft. „Die meisten Menschen bevorzugen mein Schweigen.“ Ein kleines Lächeln blieb länger als sonst. Als Seth anschließend über Tiere, Freiheit und Liebe sprach, hörte Asmodeus schweigend zu. Je länger der Psychologiestudent sprach, desto stiller wurde er. Denn wieder tat Seth etwas, das er bereits den ganzen Abend getan hatte. Er beantwortete Fragen, die viel größer waren als sie zunächst wirkten und bemerkte es vermutlich nicht einmal. Als schließlich die Worte vom Reisen kamen, blieb Asmodeus erneut einen Moment stumm. Der Wind bewegte die Äste über ihnen, irgendwo raschelte etwas im Unterholz und für einen Augenblick wirkte der Wald beinahe zeitlos. „Siehst du?“ sagte er schließlich leise. „Das meine ich.“ Sein Blick ruhte auf Seth. „Ich frage dich, was du tun würdest, wenn niemand mehr etwas von dir erwartet und keine einzige Antwort handelt von Geld. Du willst die Welt sehen.“ Die goldenen Augen musterten ihn aufmerksam. „Du willst verstehen.“ Er lachte leise. „Es überrascht mich nicht einmal.“ Dann schob er die Hände tiefer in die Manteltaschen. „Weißt du, was mir daran gefällt?“ fragte er. „Du sprichst nicht davon, jemand zu werden.“ Sein Blick glitt kurz zum Sternenhimmel, der zwischen den Baumkronen hervorlugte. „Du sprichst davon zu erleben. Das tun erstaunlich wenige Menschen.“ Für einige Schritte liefen sie schweigend weiter, dann erschien wieder dieses verräterische Funkeln in seinen Augen. „Und ich muss gestehen…“ Seine Mundwinkel hoben sich leicht. „Die Vorstellung von dir auf einem Surfbrett ist ausgesprochen unterhaltsam.“ Er sah zu ihm. „Du wirkst wie jemand, der nach drei Minuten von einem Hai beleidigt wird. Aber ich glaube, du solltest das tatsächlich tun. Nicht irgendwann.“ Der Blick seiner goldenen Augen traf den seinen. „Nicht wenn alles perfekt passt.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Menschen warten ihr ganzes Leben auf den richtigen Moment.“ Etwas Dunkles und Altes lag für einen Moment in seinem Blick, die Perspektive von jemandem, der viel zu viele Leben hatte vergehen sehen. „Und dann stellen sie fest, dass er nie gekommen ist.“ Dann lächelte er wieder. „Versprich mir etwas, Seth. Wenn du eines Tages am Meer stehst, irgendwo am anderen Ende der Welt, und die Gelegenheit bekommst, etwas Verrücktes zu tun…“ Seine Augen funkelten. „… dann entscheide dich für das Verrückte.“

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 09.06.2026 11:37

Der Wald war inzwischen dunkler geworden. Nur vereinzelte Mondstrahlen fanden ihren Weg durch das Blätterdach und zeichneten silberne Muster auf den Boden. Das Knirschen ihrer Schritte begleitete die Stille zwischen ihnen. Als Seth schließlich sagte, dass er versuchen könne, jemand zu werden, der ihn überrascht, entkam Asmodeus ein leises Lachen, das keinesfalls spöttisch war, sondern ruhig, fast zärtlich. „Da ist er wieder.“ murmelte er. „Der Idealist.“ Sein Blick wanderte kurz zu ihm. „Du hörst etwas wie ‘Ich habe schon alles gesehen’ und deine erste Reaktion ist nicht Resignation.“ Die Mundwinkel hoben sich leicht. „Sondern die Überzeugung, dass du die Ausnahme sein könntest.“ Er schüttelte langsam den Kopf. „Die meisten Menschen würden das für Arroganz halten. Aber ich… ich halte es für Hoffnung.“ Seine Worte klangen nicht nach Kritik, sondern eher an Bewunderung. Für einige Schritte verfiel er erneut in Schweigen. Dann blieb sein Blick plötzlich an etwas hängen. Zwischen den Bäumen stand ein Reh. Es stand vollkommen reglos nur wenige Meter von ihnen entfernt und obwohl es die beiden längst bemerkt haben musste, floh es nicht. Asmodeus beobachtete das Tier für einen Augenblick, dann wanderte sein Blick wieder zu Seth. „Weißt du, was ich an Menschen nie verstanden habe?“ fragte er plötzlich. „Ihr habt dieses Bedürfnis, alles zu werden.“ Seine Stimme war nachdenklich. „Erfolgreich. Geliebt. Bedeutend. Besonders.“ Er deutete mit einem kleinen Nicken auf das Reh. „Und gleichzeitig beneidet ihr Kreaturen wie diese.“ Das Tier hob kurz den Kopf und verschwand lautlos zwischen den Bäumen. „Frei von Erwartungen.“ Ein leises Schnauben verließ ihn. „Eine bemerkenswerte Ironie.“ Dann sah er Seth erneut an und für einen Moment lag etwas Uraltes hinter seinem Blick, etwas das tatsächlich Jahrtausende gesehen haben könnte. „Darf ich dir eine Frage stellen?“ Diesmal klang seine Stimme ungewöhnlich ernst. „Keine Psychologie. Keine cleveren Antworten. Keine Rolle, die du für andere spielst.“ Die Hände blieben tief in den Manteltaschen verborgen. „Wenn morgen niemand mehr etwas von dir erwarten würde…“ er machte eine kleine Pause. „Keine Familie, keine Verpflichtungen, keine Zukunftspläne.“ Seine goldenen Augen hielten den Blickkontakt. „Was würdest du als erstes tun?“ Und seltsamerweise wirkte Asmodeus bei dieser Frage selbst neugierig auf die Antwort, nicht wie ein Dämon, oder ein Rätsel, sondern einfach wie jemand, der verstehen wollte.

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Re: 🌲 Waldpfad

von Asmodeus am 09.06.2026 08:54

Asmodeus nahm die angebotene Zigarettenschachtel entgegen, betrachtete sie einen Augenblick und schob sie dann mit einem amüsierten Schnauben wieder zurück. „Behalte sie.“ Er warf Seth einen Seitenblick zu. „Eine schlechte Angewohnheit pro Person reicht völlig aus.“ Ob er damit das Rauchen meinte oder etwas anderes, ließ er offen. Die Hände verschwanden wieder in den Manteltaschen, während sie zwischen den dunklen Bäumen hindurchliefen. Als Seth schließlich antwortete, sagte Asmodeus lange nichts und als die letzten Worte verklungen waren, erschien ein kleines Lächeln auf seinen Lippen. „Nein.“ Seine Stimme war ungewöhnlich ruhig. „Das ist nicht klischeehaft.“ Die goldenen Augen ruhten kurz auf ihm. „Die meisten Menschen reden von Erfolg, Geld, Liebe, Ruhm.“ Er zuckte leicht mit den Schultern. „Du sprichst von Reue.“ Er wandte den Blick wieder dem Wald zu. „Das ist etwas völlig anderes.“ Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her, dann entkam ihm ein leises Lachen. „Außerdem bist du Psychologe. Ihr seid alle hoffnungslose Idealisten.“ Die Bemerkung kam warm, fast zärtlich neckend. „Ihr tarnt es nur besser als andere.“ Als Seth ihm schließlich dieselbe Frage stellte, verlangsamten sich seine Schritte beinahe unmerklich. Zum ersten Mal an diesem Abend antwortete Asmodeus nicht sofort, weil er überlegen musste, welche von den Antworten die Wahrheit war. Es gab viele. Zu viele. Er hatte sich Macht gewünscht, vor langer Zeit, er hatte sich Einfluss gewünscht, Freiheit, Wissen, Unterhaltung, aber alles davon hatte er bekommen und irgendwann festgestellt, dass Wünsche seltsam wurden, wenn man genug Zeit hatte, sie zu erfüllen. „Was ich mir wünsche?“ wiederholte er leise. Ein Ast knackte irgendwo in der Dunkelheit, dann hob er langsam den Blick zum Nachthimmel. „Früher hätte ich dir eine beeindruckende Antwort gegeben.“ Ein schwaches Schmunzeln erschien auf seinen Gesichtszügen. „Etwas Dramatisches. Etwas, das zu meinem Ruf passt.“ Die goldenen Augen glitten wieder zu Seth. „Heute bin ich mir nicht sicher.“ Das war vermutlich die ehrlichste Antwort, die er den ganzen Abend gegeben hatte. „Nach einer gewissen Zeit…“ begann er langsam. „… werden Wünsche kompliziert.“ Sein Blick blieb auf dem jüngeren Mann ruhen. „Menschen wünschen sich Dinge, weil ihre Zeit begrenzt ist.“ Er lächelte leicht. „Sie haben Fristen.“ Er jedoch nicht. „Vielleicht.“ Er dachte einen Moment nach. „Vielleicht wünsche ich mir manchmal überrascht zu werden.“ Ein leises Schnauben verließ ihn als würde er über sich selbst lachen. „Lächerlich, nicht wahr?“ Doch er schien die Antwort gar nicht abzuwarten. „Die meisten Dinge wiederholen sich irgendwann.“nSeine Stimme war ruhiger geworden, etwas nachdenklicher. „Menschen verlieben sich aus denselben Gründen. Hassen aus denselben Gründen. Treffen dieselben Fehler. Erzählen dieselben Lügen.“ Die goldenen Augen funkelten schwach im Mondlicht. „Und dann taucht gelegentlich jemand auf, der etwas Unerwartetes tut.“ Ein kleines Lächeln erschien. „Das gefällt mir.“ Für einen Moment ruhte sein Blick auf Seth länger als nötig, etwas aufmerksamer. Dann schob er die Hände tiefer in die Taschen seines Mantels. „Und ehe dein Ego jetzt größenwahnsinnig wird…“ Die Belustigung war zurück bei Admodeus. „Nein, ich rede nicht von dir.“ Er machte eine kurze Pause. „Zumindest noch nicht.“ Mit vollkommen ernster Miene setzte er seinen Weg fort, doch das verräterische Zucken seiner Mundwinkel machte die Lüge offensichtlich.

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Re: 🥃 Ember Lounge

von Asmodeus am 08.06.2026 21:30

Als Seth zurückkehrte, hatte Asmodeus sich bereits erhoben und für einen Moment sagte er nichts, sondern sein Blick glitt über die Jeans, über den dunklen Rollkragen und das zerzauste Haar, das noch immer verriet, wie hektisch die letzten Stunden gewesen waren. Ein leichtes Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Beeindruckend.“ Seine Stimme war ruhig. „Du siehst tatsächlich aus wie jemand, der Psychologie studiert.“ Die goldenen Augen funkelten belustigt. „Ich hatte schon befürchtet, du würdest in einem maßgeschneiderten Anzug auftauchen und mir die Kanzlei deines Vaters verkaufen wollen.“ Er griff nach seinem Mantel und zog ihn über. „Aber ja.“ Seine Mundwinkel hoben sich leicht. „Ich denke, verschwinden klingt ausgezeichnet.“ Gemeinsam verließen sie die Ember Lounge. Die warme Atmosphäre der Bar blieb hinter ihnen zurück, während die kühle Nachtluft Velmonts sie empfing. „Wohin?“ fragte er schließlich und warf Seth einen Seitenblick zu. „Du kennst diese Stadt besser als ich.“ Dann wanderte sein Blick zu einem dunklen Waldstück am Rand der Straße. Ein schwaches Schmunzeln erschien auf seinen Lippen. „Andererseits.“ Er deutete mit einem Nicken in die Richtung. „Jeder gute Psychologe weiß doch, dass die interessantesten Gespräche nachts in Wäldern stattfinden.“ Die Bemerkung war offensichtlich ein Scherz. Zumindest größtenteils und so schlug er den Weg Richtung Waldrand ein. Der Kies knirschte leise unter ihren Schritten. Asmodeus hatte die Hände in den Manteltaschen vergraben. „Weißt du…“ begann er nach einer Weile. „Den ganzen Abend habe ich dir dabei zugehört, wie du über Menschen gesprochen hast.“ Sein Blick glitt zwischen den Bäumen hindurch. „Über ihre Beweggründe. Ihre Geschichten. Ihre Entscheidungen.“ Dann sah er kurz zu Seth. „Aber du hast eine Frage noch nicht beantwortet.“ Seine Stimme war neugierig. „Was willst du eigentlich?“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Nicht was dein Vater will. Nicht was deine Professoren erwarten. Nicht was gut aussieht oder vernünftig klingt.“ Das Schmunzeln kehrte zurück. „Und wage es nicht, mir mit ‘das ist kompliziert’ zu antworten.“ Sein Blick wurde amüsiert. „Du hast den ganzen Abend Zeit gehabt, dich vorzubereiten.“

FORTSETZUNG—> Waldpfad

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Re: 🥃 Ember Lounge

von Asmodeus am 08.06.2026 16:13

Er beobachtete ihn noch einen Moment, nachdem Seth sich abgewandt hatte, das warme Lächeln, das leichte Zwinkern, die selbstverständliche Art, mit der er Menschen begegnete, es war faszinierend, nicht weil Seth außergewöhnlich schön war, obwohl er das durchaus war, oder weil er intelligent war, auch das war er, sondern weil er etwas besaß, das wesentlich seltener geworden war. Aufrichtigkeit, aber nicht die naive Sorte die aus Unwissenheit entstand, sondern die bewusste Entscheidung, sich trotz allem nicht zu verschließen. Asmodeus hatte Jahrhunderte damit verbracht, Menschen zu beobachten und er wusste genau, wie ungewöhnlich das war. Also blieb er wie versprochen, in einer dunkleren Ecke der Ember Lounge, mit einem Drink und seinem Blick auf dem Geschehen. Die Stunden vergingen beinahe lautlos. Für Seth mochten sie verflogen sein. Für Asmodeus waren sie etwas anderes gewesen. Eine Beobachtung, ein Studium, man könne es nennen wie man wollte und immer wieder wanderte sein Blick zu dem Barkeeper, zu den Gästen, die er zum Lachen brachte, zu den Menschen, die ihm ihre Sorgen erzählten, zu den Betrunkenen, die sich an seiner Freundlichkeit festhielten wie Schiffbrüchige an einem Rettungsring und jedes Mal gab Seth ihnen etwas… Zeit… Aufmerksamkeit… Verständnis. Er schien es gar nicht zu bemerken, doch Asmodeus bemerkte es. Als der Bourbon schließlich vor ihm abgestellt wurde, hob er überrascht eine Augenbraue. Nicht wegen des Getränks, sondern wegen der Geste. Ein Gedanke zwischen dutzenden anderen Gästen. Asmodeus sah dem Barkeeper nach, während dieser bereits wieder im Trubel verschwand, dann glitt sein Blick zu dem Glas. Ein langsames Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Gefährlicher Mann.“ murmelte er leise, mehr zu sich selbst als zu irgendjemand anderem. Dann hob er das Glas und trank.
Kurz vor Mitternacht hatte sich die Ember Lounge verändert, die Musik war etwas leiser geworden, die ersten Gäste waren gegangen, andere waren inzwischen deutlich betrunkener als zu Beginn des Abends und Asmodeus saß noch immer dort als hätte er sich keinen Zentimeter bewegt, nur die leeren Gläser vor ihm waren vermutlich das Einzige, was den Lauf der Zeit verriet. Als sein Blick schließlich wieder zu Seth wanderte, erschien erneut dieses ruhige Lächeln jedoch ohne jede Maskerade, denn überraschenderweise hatte er sein eigenes Versprechen gehalten, er hatte gewartet und er stellte fest, dass er sich tatsächlich auf das Gespräch freute. Als Seth schließlich wieder in seine Nähe kam, hob Asmodeus leicht sein Glas. „Du hattest recht.“ Seine Stimme war ruhig und tief „Ich habe überlebt.“ Die goldenen Augen funkelten belustigt. „Knapp.“ Dann ließ er den Blick kurz durch die Lounge schweifen. „Und ich habe festgestellt, dass du schrecklich darin bist, unauffällig zu sein.“ Ein leichtes Schmunzeln machte sich in seinen Gesichtszügen breit. „Die Hälfte dieser Bar scheint dich zu mögen. Die andere Hälfte vermutlich auch.“ Sein Blick ruhte wieder auf Seth. „Also… ist Mitternacht inzwischen geschlagen, oder muss ich noch weitere fünf Minuten dramatisch auf mein Schicksal warten?“

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Re: 🥃 Ember Lounge

von Asmodeus am 08.06.2026 12:36

Asmodeus lauschte ihm mit sichtlicher Belustigung und mit jedem weiteren Satz wurde das Grinsen auf seinen Lippen ein wenig breiter. Es war lange her, dass sich jemand traute, so ungezwungen mit ihm zu sprechen. Die meisten Menschen wurden nervös, vorsichtig, oder sie versuchten krampfhaft, Eindruck zu machen, Seth hingegen schien völlig selbstverständlich mit ihm zu flirten und ihn gleichzeitig aufzuziehen und genau das machte ihn gefährlich sympathisch. „Ein persönlicher Barde?“ Asmodeus legte eine Hand an seine Brust, als hätte ihn die Vorstellung tief getroffen. „Ich weiß nicht, ob ich mich geehrt oder beleidigt fühlen soll.“ Die goldenen Augen funkelten amüsiert. „Nach mehreren Jahrtausenden Existenz zum Geschichtenerzähler degradiert zu werden ist schon ein harter Schlag für das Ego.“ Dann lehnte er sich leicht vor. „Andererseits…“ Seine Stimme wurde etwas tiefer. „… gäbe es vermutlich schlechtere Arten, seine Nächte zu verbringen.“ Als die zerknüllte Serviette schließlich gegen ihn flog, fing er sie mühelos aus der Luft. Ein kurzer Blick auf das zerknitterte Papier, dann zurück zu Seth. „Gewalt.“ murmelte er gespielt enttäuscht. „Und dabei dachte ich, wir hätten bereits eine vertrauensvolle Basis aufgebaut.“ Mit vollkommen ernster Miene legte er die Serviette neben sein Glas als würde es sich um ein wichtiges Beweisstück handeln. Erst das verräterische Zucken seiner Mundwinkel zerstörte die Fassade. Doch bei der letzten Frage wurde er wieder etwas ruhiger, etwas aufmerksamer und für einen kurzen Moment hielt er Seths Blick einfach fest. Dieses warme Funkeln in den blauen Augen, diese ehrliche Vorfreude. Wie lange es her war, dass jemand sich tatsächlich auf ein Gespräch mit ihm freute. Nicht auf das, was er bieten konnte. Nicht auf Macht oder Vorteile. Einfach auf die Unterhaltung. „Ich warte einfach hier.“ antwortete er schließlich. „Anschließend entscheiden wir wo ein passender Ort für den zweiten Akt unserer kleinen Geschichte sein wird.“ Ein langsames Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Ich werde mir bis dahin eine dunkle Ecke suchen, dramatisch in die Ferne starren und versuchen, möglichst mysteriös auszusehen.“ Ein kurzes Schmunzeln zu Seth. „Ich möchte schließlich nicht, dass du denkst, ich würde meine Rolle vernachlässigen.“ Dann stand er langsam von seinem Barhocker auf, nicht um zu gehen, sondern weil er Seth nun tatsächlich arbeiten lassen würde. „Kümmer dich um deine Gäste, Psychologe. Ich werde noch da sein, wenn die Uhr Mitternacht schlägt.“ Dann fügte er mit einem charmanten Grinsen hinzu „Und Seth? Falls du einschläfst, während ich von meinen Jahrhunderten erzähle, werde ich das als persönliche Beleidigung auffassen.“ Natürlich war das nicht wahr oder zumindest nicht ganz, doch das Funkeln in seinen Augen verriet deutlich, dass er bereits gespannt auf Mitternacht war.

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Re: 🥃 Ember Lounge

von Asmodeus am 08.06.2026 09:13

Die Berührung an seinem Unterarm dauerte kaum einen Augenblick und doch blieb Asmodeus’ Blick für einen Moment darauf liegen als hätte er registriert, dass Seth zu jenen Menschen gehörte, die Nähe ganz selbstverständlich schenkten, ohne sich darüber Gedanken zu machen. „Neunzig Abende?“ Seine Stimme war von unverkennbarer Belustigung durchzogen. „Das klingt verdächtig nach einer Verpflichtung.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Du wirst immer optimistischer, Seth.“ Das Gold seiner Augen fing das warme Licht der Bar ein. „Wer sagt denn, dass die Kurzfassung nach neunzig Abenden abgeschlossen wäre?“ Dann lehnte er sich etwas zurück. „Kurz nach Mitternacht also.“ wiederholte er nachdenklich. „Das lässt sich einrichten.“ Als Seth anschließend von Wahrheit und Wahnsinn sprach, entkam ihm ein leises Lachen. „Jetzt klingst du tatsächlich wie ein Psychologiestudent.“ Er hob sein Glas. „Wahrscheinlich schreibst du heimlich bereits eine Diagnose über mich.“ Er sah ihn mit einem gespielt misstrauischen blick an. „Falls dem so ist, hätte ich gerne Einsicht in die Akte.“ Seine Finger schlossen sich erneut um das Glas und sein Blick wanderte kurz durch die Lounge zu einem Tisch, an dem jemand nach Seths Aufmerksamkeit suchte. „Siehst du?“ Ein leichtes Schmunzeln erschien auf seinen Lippen. „Genau deshalb wollte ich dich nicht von deiner Arbeit abhalten.“ Er deutete mit einem Nicken in Richtung der wartenden Gäste. „Jemand muss schließlich verhindern, dass diese Menschen an schlechter Gesellschaft und mittelmäßigen Drinks zugrunde gehen.“ Seine Augen fanden wieder die seinen. „Geh.“ sagte er schließlich. „Rette deine Gäste. Ich werde die Zeit bis Mitternacht schon irgendwie überleben.“ Die Formulierung war harmlos. Für Seth vermutlich sogar witzig. Nur Asmodeus selbst wusste, wie absurd sie tatsächlich war. Dann hob er sein Glas leicht in dessen Richtung. „Und danach erzählst du mir mehr von dem Mann, der beschlossen hat, sein eigenes Schicksal zu schreiben.“ Sein Blick blieb einen Moment länger auf ihm liegen. „Ich finde, diese Geschichte könnte interessant werden.“

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Re: 🥃 Ember Lounge

von Asmodeus am 07.06.2026 19:15

Seths warme Lächeln ließ ihn für einen Moment schweigen weil er sich nicht erinnern konnte, wann zuletzt jemand ihn angesehen hatte, ohne etwas von ihm zu wollen. Keine Macht, keinen Gefallen, keine Antwort, sondern nur ehrliche Neugier und das war selten geworden. Als Seth schließlich von seinen Jahrhunderten sprach, erschien erneut dieses ruhige Grinsen auf seinen Lippen. „Gefährliche Frage.“ murmelte er. „Wenn ich wirklich mehrere Jahrhunderte alt wäre, müsstest du dir vermutlich einen ganzen Monat freinehmen, um die Kurzfassung zu hören.“ Ein leises Schnauben verließ seine Kehle. Dann hob er sein Glas und ließ den Blick kurz durch die Ember Lounge schweifen. „Außerdem…“ Er deutete mit dem Glas leicht auf die Bar. „… habe ich das Gefühl, dass dein Arbeitgeber wenig begeistert wäre, wenn du die nächsten drei Stunden damit verbringst, einen Fremden zu analysieren, während seine Gäste verdursten.“ Ein amüsiertes Funkeln erschien in seinen goldenen Augen, dann stellte er das Glas langsam ab. „Auch wenn ich zugeben muss, dass mir das Gespräch deutlich besser gefällt als die meisten Dinge, die ich heute Abend hätte tun können.“ Seine Stimme war aufrichtig und keineswegs gespielt. Für einen Moment musterte er den Barkeeper schweigend, dann neigte er den Kopf leicht zur Seite. „Wann hast du eigentlich Feierabend, Seth?“ Die Frage kam erstaunlich beiläufig fast so, als wäre sie ihm gerade erst eingefallen. „Keine Sorge.“ Seine Mundwinkel hoben sich leicht. „Ich versuche nicht, dich von deiner Arbeit abzuhalten. Du wirkst wie jemand, der seine Verpflichtungen tatsächlich ernst nimmt. Eine Eigenschaft, die heutzutage erschreckend selten geworden ist.“ Er verschränkte locker die Arme. „Aber falls du später noch Zeit und Interesse hast…“ Sein Blick hielt den des Barkeepers fest. „… würde ich mich durchaus gerne ausführlicher mit dir unterhalten. Über Psychologie. Über deine fragwürdigen Jugendentscheidungen.“ Dann wurde das Lächeln etwas breiter. „Oder darüber, weshalb ein Mann, der angeblich keine Rätsel aufgeben kann, seit einer Stunde versucht herauszufinden, ob ich verrückt bin oder die Wahrheit sage.“

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