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Re: Seths Reich (auch seine Wohnung genannt)
von Asmodeus am 20.07.2026 22:09Als Seth mit gespielter Empörung seine kleine Theateraufführung begann und erklärte, dass man selbstverständlich nur Menschen küsse, die man überhaupt nicht leiden könne, sah Asmodeus ihn einen Moment lang schweigend an. „Natürlich. Das erklärt einiges." Er schob die Hände in die Manteltaschen. „Dann muss ich mir wohl große Sorgen machen, falls du mich irgendwann umarmst." Sein Mundwinkel zuckte leicht. „Das wäre vermutlich eine offene Kriegserklärung." Er beobachtete, wie Seth lachte und wieder stellte er fest wie leicht dieses Lachen ansteckend war. Es gefiel ihm mehr, als es vermutlich sollte. Während Seth anschließend von seiner Dachterrasse erzählte, wanderte Asmodeus langsam zwischen den Pflanzen hindurch. Er strich mit den Fingerspitzen über Lavendel, blieb kurz an einer kleinen Minzpflanze stehen und atmete unbewusst ihren Duft ein. „Man merkt, dass du dir über alles Gedanken gemacht hast." murmelte er. Als Seth schließlich aufstand und ihm den Hängesessel überließ, betrachtete Asmodeus ihn einen Augenblick skeptisch. „Du weißt hoffentlich..." begann er trocken. „... dass ich dir die Schuld geben werde, falls ich danach nie wieder aufstehen möchte." Mit erstaunlich wenig Würde für jemanden, der sich noch am Vorabend über seinen Ruf als uralter Dämon Gedanken gemacht hatte, ließ er sich schließlich in den Hängesessel sinken. Der Stoff gab sanft nach. Der Sessel schaukelte leicht. Für einen Moment sagte Asmodeus... nichts. Er lehnte den Kopf zurück. Schloss tatsächlich kurz die Augen. Eine angenehme Brise strich über die Dachterrasse. Dann öffnete er sie wieder. Langsam und sein Blick wanderte zu Seth, der auf der Lounge saß und seinen Kaffee trank. „... ich hasse es." sagte er mit vollkommen ernster Miene aber dann erschien dieses verräterische Lächeln. „Weil ich jetzt verstehe, warum du ständig hier oben bist." Er schaukelte leicht hin und her. „Das ist tatsächlich gefährlich bequem." Ein leises Schnauben entwich ihm. „Ich fürchte, ich werde heute keinerlei Motivation mehr entwickeln, diesen Platz freiwillig zu verlassen." Er musterte Seth einen Moment. „Jetzt ergibt auch dein Angebot von gestern Sinn. Du wolltest gar nicht unbedingt mich überzeugen zu bleiben." er grinste. „Du wusstest einfach, dass dieser verdammte Hängesessel den Rest übernehmen würde."

Re: Seths Reich (auch seine Wohnung genannt)
von Asmodeus am 13.07.2026 19:32Asmodeus ließ sich von dem leichten Schlag gegen seine Brust treffen und warf Seth einen gespielt nachsichtigen Blick zu. „Entschuldige.“ Er nickte mit übertriebener Ernsthaftigkeit. „Natürlich nicht verbrannter Toast.“ Er lies eine kurze Pause entstehen. „Du wirkst eher wie jemand, der den Toast im Toaster vergisst, weil er unterwegs ein interessantes Buch entdeckt.“ Seine Mundwinkel hoben sich zu einem frechen Grinsen. „Und sich erst zwanzig Minuten später wundert, warum die Wohnung nach Rauch riecht.“ Er konnte sich das Lachen kaum verkneifen. Als Seth ihm jedoch den Kaffee und den Muffin abnahm, registrierte Asmodeus das verräterische Knurren seines Magens. „Aha.“ Er verschränkte locker die Arme. „Also hatte ich recht. Du hast tatsächlich vergessen zu frühstücken.“ Gerade wollte er noch etwas hinzufügen, als Seth sich bereits zu ihm vorbeugte. Das flüchtige Küsschen auf seiner Wange ließ ihn dieses Mal zwar nicht völlig erstarren, überraschte ihn aber dennoch. Er blinzelte einmal. Dann schüttelte er leicht den Kopf. „Du gewöhnst dir da eine gefährliche Angewohnheit an.“ murmelte er mit einem leichten Lächeln. „Irgendwann fange ich noch an zu glauben, du magst mich.“ Der trockene Humor lag wieder in seiner Stimme, doch seine goldenen Augen verrieten, dass ihn die kleine Geste mehr freute, als er zugeben würde. Er folgte Seth schließlich durch die Wohnung. Vorbei am Wohnzimmer. Hinaus auf den Balkon und schließlich die kleine Treppe hinauf. Oben blieb Asmodeus tatsächlich stehen und ließ langsam den Blick über die Dachterrasse schweifen. Der Lärm der Stadt klang von hier oben plötzlich erstaunlich weit entfernt. Ein leises Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Jetzt verstehe ich.“ murmelte er. „Deshalb die bepflanzte Dachterrasse.“ Er trat langsam ein paar Schritte zwischen den Pflanzen hindurch und strich mit den Fingerspitzen beiläufig über ein paar Blätter. „Du hast dir mitten in der Stadt einen kleinen Rückzugsort gebaut.“ Sein Blick wanderte wieder zu Seth. „Gar nicht schlecht.“ Dann ließ er sich auf der Lounge nieder und hörte ihm aufmerksam zu. Als die Geschichte mit der Universität endete, schnaubte er belustigt. „Du bist also durch die halbe Stadt gehetzt…“ Er hob eine Augenbraue. „… nur um festzustellen, dass niemand auf dich gewartet hat.“ Er lachte leise. „Das klingt tatsächlich nach einem ausgesprochen durchschnittlichen Montag.“ Dann lehnte er sich entspannt zurück. „Mein Morgen war deutlich ereignisloser. Ich habe Kaffee gekauft.“ Sein Blick fiel kurz auf den Becher in Seths Hand. „Offenbar eine bessere Entscheidung, als ich zunächst vermutet hatte.“ Für einen Moment ließ er den Blick erneut über die Terrasse schweifen, dann sah er Seth wieder an. „Du hast Geschmack. Ich verstehe, warum du hier oben lernst.“ Er blickte kurz zum Himmel. Ein leichter Wind strich über die Dachterrasse. „Wenn ich einen Ort wählen müsste, um ein paar Stunden dem Rest der Welt zu entkommen…“ Seine goldenen Augen wanderten zurück zu Seth. „… ich glaube, ich würde ebenfalls hier sitzen.“ Ein kleines Grinsen kehrte zurück. „Auch wenn ich den Hängesessel vermutlich zuerst testen würde.“ Er deutete auf Seth. „das wirkt nämlich verdächtig bequem dort.“

Re: Seths Reich (auch seine Wohnung genannt)
von Asmodeus am 12.07.2026 22:12Asmodeus konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen, als sich die Wohnungstür öffnete. Für einen kurzen Moment hatte Seth noch diesen leicht genervten Ausdruck im Gesicht – offenbar überzeugt davon, dass ihn irgendein Paketbote oder Nachbar aus seiner Ruhe gerissen hatte. Und dann erkannte er ihn. Wie sich seine Miene innerhalb eines Herzschlags aufhellte, war beinahe amüsant. „Na sieh mal einer an.“ Seine goldenen Augen glitten kurz über das zerzauste Haar, die Kopfhörer um seinen Hals und das Buch in seiner Hand. „Du siehst exakt so aus, wie ich mir einen Psychologiestudenten vorgestellt habe, der gerade einen völlig chaotischen Morgen hinter sich hat.“ Ein leises Grinsen huschte über seine Lippen. „Fehlt eigentlich nur noch ein halb verbrannter Toast in der Hand.“ Als Seth ihn hereinbat, trat Asmodeus ohne große Umstände in die Wohnung und ließ den Blick einen Moment ruhig durch den Raum schweifen. „Du musst dich übrigens nicht entschuldigen.“ Er hob den Kaffeebecher und die kleine Papiertüte leicht an. „Ich war ohnehin zu früh. Schuld daran trägst ausnahmsweise nicht du.“ Er hielt ihm beides hin. „Ich dachte mir, wenn ich schon unangekündigt auftauche, komme ich wenigstens nicht mit leeren Händen.“ Er lächelte sanft. „Schwarzer Kaffee.“ Dann hob er die Tüte etwas an. „Und ein Schokoladenmuffin.“ Er zuckte leicht mit den Schultern. „Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass du heute Morgen das Frühstück vergessen würdest.“ Als Seth ihn fragte, ob er etwas trinken wolle, schüttelte Asmodeus leicht den Kopf. „Erstmal nicht.“ Sein Blick fiel erneut auf das Buch. „Du warst also wirklich am Lernen? Ich hatte ehrlich gesagt damit gerechnet, dich noch schlafend aus dem Bett klingeln zu müssen.“ Er hob eine Augenbraue. „Oder zumindest dabei zu erwischen, wie du panisch nach deiner zweiten Socke suchst.“ Ein leises Lachen verließ ihn. „Erzähl…“ Er verschränkte locker die Arme. „Wie schafft man es eigentlich, an einem freien Vormittag schon so auszusehen, als hätte man den halben Tag hinter sich?“

Re: Seths Reich (auch seine Wohnung genannt)
von Asmodeus am 10.07.2026 19:12Erst als sich hinter den Fenstern nichts mehr regte, wandte er sich langsam ab und verschwand lautlos in den Straßen Velmonts.
Am nächsten Morgen war die Stadt bereits erwacht. Studenten eilten über die Gehwege. Fahrräder klapperten über das Kopfsteinpflaster. Aus kleinen Cafés strömte der Duft von frischem Gebäck und geröstetem Kaffee. Asmodeus stand einen Moment vor einer der Bäckereien. Der Verkäufer hinter der Theke fragte ihn freundlich, was er wünsche. Für den Bruchteil einer Sekunde musste Asmodeus tatsächlich überlegen. Er hätte in seinem langen Leben vieles gekauft. Aber vermutlich noch nie Frühstück für jemanden. „Einen schwarzen Kaffee.“ Er dachte kurz nach. „Und…“ Sein Blick fiel auf die Auslage. „… einen Schokoladenmuffin.“ Warum ausgerechnet einen Muffin? Er wusste es selbst nicht. Vielleicht, weil Seth ihm wie jemand vorkam, der beim Lernen völlig vergaß zu essen. Vielleicht auch einfach, weil der Muffin deutlich besser aussah als das trockene Croissant daneben. Mit dem dampfenden Kaffeebecher in der einen und der kleinen Papiertüte in der anderen Hand machte er sich schließlich auf den Weg. Es war noch früh. Früher, als sie sich eigentlich verabredet hatten, aber Asmodeus wusste inzwischen, dass Seth Unterricht gehabt hatte und ebenso wusste er, dass der Psychologiestudent vermutlich direkt danach wieder vergessen würde, etwas Anständiges zu frühstücken. Als er schließlich vor dem Mehrfamilienhaus stand, wanderte sein Blick kurz zur Dachterrasse hinauf und ein kleines Lächeln erschien auf seinen Lippen. Dann betrat er das Gebäude und stieg langsam die Treppen hinauf. Oben angekommen blieb er vor der Wohnungstür stehen. Er betrachtete für einen Moment die Tüte in seiner Hand. Schwarzer Kaffee. Ein Muffin. Er schnaubte leise über sich selbst. „Beeindruckend.“ murmelte er. „Mehrere Jahrtausende alt…“ Er schüttelte leicht den Kopf. „… und ich erscheine mit Frühstück.“ Er hob die Hand und klopfte zweimal ruhig gegen die Tür. Während er wartete, fiel sein Blick unwillkürlich auf sein Handgelenk. Die Telefonnummer war inzwischen nicht zu erkennen, er kannte sie längst auswendig. Das brachte ihn erneut zum Schmunzeln. „Hartnäckiger Barkeeper…“ murmelte er leise.

Re: Seths Reich (auch seine Wohnung genannt)
von Asmodeus am 09.07.2026 08:45„Vier Stunden.“ Asmodeus schnaubte kaum hörbar. „Du bist entweder bemerkenswert jung oder bemerkenswert dumm.“ Dann nahm er einen Atemzug. „Ich vermute beides.“ Das Grinsen auf seinen Lippen machte deutlich, dass ihn diese Erkenntnis keineswegs störte. „Aber wenn du morgen tatsächlich ausgeschlafen erscheinst, werde ich das als persönlichen Erfolg verbuchen.“ Als Seth ihm anschließend drohte, ihm sein Verschwinden übel zu nehmen, hob Asmodeus langsam eine Augenbraue. „Ist das so?“ Seine Stimme war ruhig, jedoch Schwang Belustigung darin mit. „Dann sollte ich wohl vorsichtig sein. Ich hätte nur ungern einen enttäuschten Psychologiestudenten auf meinem Gewissen.“ Er wollte sich gerade verabschieden, als Seth ihn am Ärmel zupfte. Sein Blick glitt zu dessen Hand und dann wieder zu seinem Gesicht. „Was…“ Weiter kam er nicht. Er zog die Hand wie aufgefordert aus der Manteltasche und ließ Seth wortlos gewähren. Die kühle Spitze des Stiftes strich über die Innenseite seines Handgelenks. Er betrachtete die sorgfältig geschriebenen Ziffern einige Sekunden lang als hätte er etwas ausgesprochen Seltenes vor sich. Langsam hob sich einer seiner Mundwinkel. „Du schreibst deine Nummer auf einen Dämon.“ murmelte er. „Das dürfte ebenfalls nicht in den Lehrbüchern der Psychologie stehen.“ Sein Blick hob sich wieder. „Ich werde sie gut aufbewahren.“ Die Antwort kam erstaunlich selbstverständlich als wäre daran nichts Besonderes, doch dann geschah etwas, womit selbst Asmodeus nicht gerechnet hatte. Die flüchtige Berührung an seiner Wange war kaum mehr als ein Hauch. So kurz, dass er sich beinahe hätte einbilden können. Für den Bruchteil einer Sekunde blieb er vollkommen reglos stehen. Überrascht. Man überrascht ihn nicht oft, aber diesmal tatsächlich. Er sah Seth hinterher, als dieser bereits die Haustür aufschloss. Ein kleines Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Gute Nacht, Seth. Schlaf ausnahmsweise länger als vier Stunden.“ Die Haustür fiel langsam ins Schloss. Asmodeus blieb noch einen Moment davor stehen. Die kühle Nachtluft strich durch sein dunkles Haar. Sein Blick senkte sich erneut auf sein Handgelenk, auf die noch frische Tinte. Er fuhr mit der Fingerspitze knapp daneben entlang, ohne die Zahlen zu verwischen. Ein leises Schnauben entwich ihm. „Hartnäckiger Barkeeper.“ murmelte er mehr zu sich selbst als zu irgendjemand anderem. Dann blickte er noch einmal zur bepflanzten Dachterrasse hinauf. Für einen flüchtigen Augenblick fragte er sich, welches Fenster wohl zu Seths Wohnung gehörte. Eine Frage, die er sich selbst vor wenigen Stunden niemals gestellt hätte. Mit einem kaum wahrnehmbaren Kopfschütteln steckte er die Hand wieder in die Manteltasche, achtete dabei jedoch auffallend darauf, dass die Schrift nicht verwischte. „Morgen also.“ Ein seltenes Gefühl von Vorfreude begleitete diesen Gedanken.

Re: Seths Reich (auch seine Wohnung genannt)
von Asmodeus am 02.07.2026 10:32Langsam wurden die Bäume von Straßenlaternen abgelöst. Das sanfte Rauschen der Blätter wich dem fernen Summen der Stadt. Velmont schlief nie ganz, irgendwo fuhr ein Auto vorbei, in einem geöffneten Fenster erklang gedämpfte Musik, und über den Dächern hing die kühle Nachtluft. Er ließ Seths widersprüchliche Worte noch einmal durch seinen Kopf gehen. „Weißt du…“ begann er und seine Stimme war ruhig. „Sollte sich jemals herumsprechen, dass Menschen sich in meiner Gegenwart sicher fühlen, werde ich vermutlich aus sämtlichen dämonischen Kreisen ausgeschlossen.“ Ein leises Schmunzeln legte sich auf seine Lippen. „Mein Ruf würde sich nie wieder davon erholen.“ Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke. „Danke.“ Sie gingen weiter, bis Seth schließlich gähnte und ein belustigtes Funkeln erschien in seinen goldenen Augen. „Die Müdigkeit gewinnt also doch.“ Er hob leicht eine Augenbraue. „Und eben wolltest du mir noch erzählen, dass du morgen problemlos eine Vorlesung schaffen könntest.“ Ein Lachen folgte. „Ich beginne ernsthaft zu glauben, dass Psychologiestudenten eine sehr optimistische Selbsteinschätzung besitzen.“ Während Seth den Weg erklärte, ließ Asmodeus den Blick aufmerksam über die Umgebung schweifen. „Eine bepflanzte Dachterrasse also.“ murmelte er. „Das passt erstaunlich gut zu dir.“ Einige Minuten später blieben sie schließlich vor einem gepflegten Mehrfamilienhaus stehen. Über ihnen zeichnete sich tatsächlich eine Dachterrasse gegen den Nachthimmel ab, auf der sich Pflanzen und Rankgewächse im Mondlicht sanft bewegten. Asmodeus betrachtete das Gebäude einen Augenblick schweigend, dann wanderte sein Blick zu Seth. „Also… hier endet unser nächtlicher Spaziergang.“ Er steckte die Hände wieder in die Manteltaschen und ließ den Blick noch einmal kurz über die Fassade gleiten. „Du solltest schlafen. Auch wenn du vermutlich gleich behaupten wirst, dass vier Stunden Schlaf völlig ausreichen.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Tun sie nicht.“ Dann trafen seine goldenen Augen erneut die blauen des Psychologiestudenten. „Ich werde morgen nicht verschwunden sein. Du musst also nicht befürchten, aufzuwachen und festzustellen, dass alles nur ein ungewöhnlich lebhafter Traum war. Ich habe dir schließlich versprochen, meine Weiterreise noch etwas aufzuschieben.“ Asmodeus sah noch einmal zur bepflanzten Dachterrasse hinauf. „Ich bin gespannt, ob sie bei Tageslicht genauso aussieht, wie ich sie mir gerade vorstelle.“ Sein Blick kehrte zu Seth zurück. „Schlaf gut, Seth.“ Das Lächeln auf seinen Lippen wurde eine Spur wärmer. „Und versuche ausnahmsweise einmal, nicht bis drei Uhr morgens über das nächste große Rätsel nachzudenken.“ Er machte einen halben Schritt rückwärts, ohne den Blick von ihm zu nehmen. „Wir sehen uns morgen.“

Re: 🌲 Waldpfad
von Asmodeus am 01.07.2026 19:00Der Wald schien um sie herum still geworden zu sein als gäbe es für einen Moment nichts außer diesem Gespräch. Er ließ Seth ausreden und als dieser geendet hatte, erschien kein gewohntes, charmantes Grinsen auf seinen Lippen, nur ein leicht sichtbares Lächeln. „Du bist nicht gut darin Menschen auf Abstand zu halten.“ Weder Spott war in den Worten, noch wollte er ihn necken. „Vielleicht solltest du daran arbeiten.“ Es entstand eine Sekundenpause. „Oder auch nicht.“ Sein Blick ruhte noch immer auf Seth. „Die Welt könnte ein paar Menschen gebrauchen, die sich trauen, so offen zu sein.“ Als Seth davon sprach, ihn zum Bleiben bewegen zu wollen, entkam Asmodeus ein kaum hörbares Schnauben. Er schüttelte langsam den Kopf. „Du unterschätzt deine Wirkung.“ murmelte er. „Du glaubst, du müsstest mich überzeugen.“ Ein sanftes Lächeln zog über seine Lippen. „Dabei habe ich meine Weiterreise in dem Moment infrage gestellt, als ich beschlossen habe, nach Mitternacht noch mit dir durch diesen Wald zu laufen.“ Er hob den Blick zum Himmel. Zwischen den Baumwipfeln begann die Nacht bereits langsam heller zu werden. „Es wird spät.“ stellte er fest. Dann wanderte sein Blick wieder zu Seth. Er musterte ihn einen Moment. Die Müdigkeit, die sich langsam trotz des Lächelns in dessen Gesicht zeigte. „Und so sehr es mein Ego schmeichelt, dass du morgen Erinnerungen sammeln möchtest…“ Er hob leicht eine Augenbraue. „würde ich nur ungern der Grund dafür sein, dass ein Psychologiestudent morgen mit geschlossenen Augen in einer Vorlesung sitzt.“ Ein amüsiertes Funkeln kehrte in seine goldenen Augen zurück. „Das würde deiner professionellen Reputation schaden.“ Er trat einen Schritt zur Seite und deutete in Richtung der Lichter Velmonts. „Komm. Ich bringe dich nach Hause. Du hast heute lange gearbeitet und ich habe dich lange genug vom Schlafen abgehalten.“ Dann schmunzelte er. „Außerdem… wenn ich tatsächlich vorhabe, meine Weiterreise aufzuschieben, wäre es ausgesprochen unklug, dich schon am ersten Abend völlig übermüdet zurückzulassen.“

Re: 🌲 Waldpfad
von Asmodeus am 28.06.2026 20:54„Weißt du…“ Er verschränkte locker die Arme. „Ich beginne langsam zu glauben, dass du mich gar nicht alt nennst, weil du davon überzeugt bist.“ Er hob eine Augenbraue. „Sondern weil du genau weißt, dass ich darauf reagiere.“ Ein schmales Grinsen erschien. „Manipulativ.“ Er nickte anerkennend. Als Seth jedoch über die Unendlichkeit sprach und schließlich seine Hand ergriff, verstummte Asmodeus. Sein Blick senkte sich für einen Augenblick auf die Berührung. Sie war so selbstverständlich. Ohne Hintergedanken. Ohne Angst. Dann hob er langsam wieder den Kopf. Die Worte über den Schmerz blieben zwischen ihnen stehen. Er hätte widersprechen können. Hätte die Schwere mit einem Scherz vertreiben können. „Warmherzig…“ wiederholte er leise. „Diesen Begriff hätte vermutlich niemand benutzt, der mich vor einigen Jahrhunderten gekannt hat.“ Ein schwaches Lächeln erschien. „Vielleicht verändert Zeit einen eben doch.“ Dann fiel die letzte Frage. Er schüttelte leicht den Kopf. „Nein.“ sagte er schließlich. „Eigentlich nicht.“ Er ließ den Blick kurz über den Wald schweifen. „Ich hatte vor, weiterzureisen. Velmont war ursprünglich nur ein Zwischenstopp.“ Die Worte klangen beinahe beiläufig. Doch dann trafen seine goldenen Augen erneut Seths. Und zum ersten Mal an diesem Abend war dort ein Hauch von Unsicherheit. Nicht darüber, was er wollte. Sondern darüber, dass er es überhaupt wollte. „Ich nehme an…“ begann er langsam. „…du fragst das nicht aus reiner Höflichkeit.“ Seine Mundwinkel hoben sich leicht. „Also verrate mir.“ Er trat einen halben Schritt näher. Gerade weit genug, dass seine Stimme kaum mehr als ein ruhiges Murmeln war. „Was geht in diesem erstaunlich neugierigen Kopf gerade vor?“

Re: 🌲 Waldpfad
von Asmodeus am 20.06.2026 11:04Asmodeus lauschte seinem offensichtlich sorgfältig ausgearbeiteten Vortrag über sein Alter mit der Geduld eines Mannes, der bereits Kriege, Dynastien und vermutlich mehrere völlig unnötige Modetrends überlebt hatte. Als Seth schließlich geendet hatte, blieb er einige Sekunden vollkommen still. Dann nickte er langsam. „Beeindruckend.“ Seine Stimme war ernst. „Du hast es tatsächlich geschafft, aus dem Wort alt eine ganze Rede zu machen.“ Anschließend nickte er leicht. „Das ist echtes Talent.“ Das Funkeln in seinen Augen verriet jedoch deutlich, dass er sich prächtig amüsierte. „Und dennoch bin ich gezwungen festzustellen, dass dein gesamtes Argument auf der Annahme basiert, dass du recht hast.“ Er hob eine Augenbraue. „Ein klassischer Anfängerfehler. Aber ich bin bereit, dir diesen Sieg zu gönnen.“ Eine kurze Pause. „Aus Respekt vor deinem jugendlichen Enthusiasmus.“ Dann schnaubte er leise und schüttelte den Kopf. Seth schien stattdessen jedes Mal noch mehr Spaß daran zu haben und Asmodeus stellte zu seinem eigenen Erstaunen fest, dass er ihn dafür mochte. Sehr sogar. Als das Gespräch jedoch wieder ernster wurde, verschwand die Belustigung langsam. Sein Blick ruhte aufmerksam auf Seth. Auf der Art, wie dieser über Bedeutung sprach. Über Endlichkeit. Über Zeit. Und für einen Moment wirkte Asmodeus beinahe überrascht. „Du weißt…“ begann er schließlich leise. „Die meisten Menschen romantisieren Unsterblichkeit.“ Sein Blick wanderte zu den Lichtern Velmonts in der Ferne. „Sie stellen sich vor, sie hätten unbegrenzt Zeit für alles, was sie lieben.“ Ein schwaches Lächeln erschien. „Die wenigsten denken darüber nach, wie es sich anfühlt, alles zu verlieren.“ Dann hörte er Seths Vorschlag und zum ersten Mal an diesem Abend lachte er nicht. Stattdessen blickte er ihn einfach an. „Aufschreiben?“ wiederholte er schließlich. Als hätte ihm seit Jahrhunderten niemand mehr eine derart einfache Lösung angeboten. Sein Blick glitt kurz in die Dunkelheit zwischen den Bäumen. „Weißt du, was das Verrückte daran ist?“ Ein kleines Schmunzeln erschien. „Ich habe Bibliotheken gesehen, die größer waren als ganze Städte. Ich habe Gelehrte gekannt, die ihr Leben dem Schreiben gewidmet haben. Und ich selbst habe vermutlich mehr Geschichten erlebt, als manche Völker besitzen.“ Die goldenen Augen wanderten zurück zu Seth. „Und trotzdem ist mir dieser Gedanke nie gekommen.“ Ein leises Schnauben mehr über sich selbst als über die Idee. „Vielleicht, weil ein Teil von mir immer dachte, Erinnerungen müssten im Kopf bleiben, um echt zu sein.“ Dann erschien wieder dieses ruhige, warme Lächeln. Das, welches Seth inzwischen ein paar Mal gesehen hatte. Und das deutlich seltener war als jedes seiner charmanten Grinsen. „Das ist eine erstaunlich schöne Idee.“ Die Worte kamen unerwartet ehrlich. „Danke.“ Dann neigte Asmodeus leicht den Kopf. Seine Augen funkelten erneut. „Allerdings birgt dein Vorschlag ein gewaltiges Risiko.“ Eine gespielte Ernsthaftigkeit legte sich über seine Züge. „Wenn ich tatsächlich beginne, alles aufzuschreiben, wird daraus zwangsläufig eine Kapitelüberschrift über einen außergewöhnlich hartnäckigen Psychologiestudenten, der mich beharrlich alt nennt.“ Ein schmales Grinsen erschien. „Und ich fürchte, das würde dein Ziel, nicht vergessen zu werden, erschreckend effizient erfüllen.“

Re: 🌲 Waldpfad
von Asmodeus am 15.06.2026 10:16Als Seth ihn auf die Ironie aufmerksam machte, blickte Asmodeus einen langen Moment einfach nur auf die Hand an seinem Unterarm und hob dann langsam den Blick. „Das…“ begann er mit vollkommener Ernsthaftigkeit. „… ist ein ausgezeichnetes Argument.“ Dann machte er eine kurze Pause. „Das ich selbstverständlich ignorieren werde.“ Das Grinsen, das daraufhin erschien, war beinahe unverschämt. „Ich habe schließlich mehrere Jahrtausende Übung darin, recht zu behalten.“ Er hob eine Augenbraue. „Oder zumindest so zu tun.“ Dann schüttelte er leicht den Kopf und lauschte weiter. Die Scherze über Diagnosen und Höllenfürsten ließen ihn schmunzeln, doch als Seth schließlich begann, ernsthaft zu antworten, verschwand die Belustigung langsam. Asmodeus hörte zu ohne ihn zu unterbrechen. „Das ergibt mehr Sinn, als du glaubst. Die Menschen nennen es oft Angst vor engen Räumen.“ Sein Blick ruhte auf Seth. „Aber ich glaube nicht, dass es darum geht.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Ich glaube, du fürchtest dich davor, keine Wahl mehr zu haben.“ Die goldenen Augen hielten den Blickkontakt. „Davor, festzustecken. Davor, dass jemand anderes entscheidet, wo du hingehörst.“ Dann kam die Gegenfrage und zum ersten Mal an diesem Abend wich Asmodeus’ Blick aus. „Früher hätte ich behauptet, ich fürchte nichts.“ Er schnaubte leise. „Das klingt beeindruckend, bis man erkennt, dass es meistens nur eine andere Form von Dummheit ist.“ seine Hände blieben tief in den Manteltaschen verborgen und für einen Moment wirkte er älter. „Ich glaube…“ begann er langsam. „… ich fürchte Bedeutungslosigkeit.“ Sagte er leise als wäre er es nicht gewohnt, sie auszusprechen. „Nicht für andere.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Die Meinung der Welt hat mich nie besonders interessiert.“ Sein Blick wanderte wieder zu Seth. „Sondern für mich selbst. Wenn man lange genug lebt, verschwimmen Dinge. Menschen sterben. Städte verschwinden. Königreiche zerfallen und irgendwann beginnt man sich zu fragen, ob irgendetwas davon tatsächlich einen Unterschied gemacht hat.“ Er lächelte schwach. „Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich Geschichten sammle weil ich Angst habe, dass irgendwann nichts mehr bleibt.“ Dann schnaubte er leise über sich selbst als wäre ihm gerade bewusst geworden, wie ungewöhnlich ehrlich er gewesen war. „Siehst du?“ Sein Blick wurde wieder etwas wärmer. „Das passiert, wenn man Psychologiestudenten nachts in den Wald mitnimmt.“ Er grinste leicht. „Plötzlich fängt man an, Fragen ernsthaft zu beantworten.“







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